Bleib wach
Nicht unbedingt. Wer gut schlafen will, darf ruhig wach bleiben für das, was um uns herum geschieht. Genau hinschauen, Fragen stellen, und dort etwas bewegen, wo es sinnvoll und möglich ist: Auch das gehört zu KULALA.
Hinter KULALA entstehen viele Geschichten. Manche sind pure Freude und reines Glück, andere berichten von Umwegen und Herausforderungen.
Dank der Unterstützung für die KULALAride ist ein schönes Startkapital zusammengekommen und hat erste Schritte möglich gemacht. Hier nehmen wir dich mit hinter die Kulissen und erzählen Geschichten von überraschenden Orten und wunderbaren Begegnungen auf unserem Weg zur fertigen Bettwäsche ...
Englischstunden für AMina
Wer in Sansibar eine berufliche Zukunft haben oder gar im Tourismus Fuss fassen und arbeiten möchte, muss zwingend Fremdsprachen oder mindestens Englisch beherrschen. Was aber macht eine Siebzehnjährige, die in der Schule nur wenig Englisch-Unterricht erhalten und bereits einen zweijährigen Sohn hat? Die Chancen auf einen sozialen und finanziellen Aufstieg in die Unabhängigkeit sind in dieser Situation nicht sehr gross.
Dank eurer finanziellen Unterstützung besucht Amina nun drei Monate lang jeden Morgen einen Englischkurs in einer Sprachschule. Das Zanzibar Alliance Institute in Stone Town bietet neben den sprachlichen auch berufliche Ausbildungen an: Ein Kurs in Schneidern und Nähen ist darum anschliessend an die Englischstunden ebenfalls eine Option - schliesslich braucht KULALA Nachwuchs! Die Qualitätsüberprüfung ist erfolgt: Die Schule ist von einer erfahrenen Englischlehrperson und anderen Freundinnen inspiziert worden. Bakari ist auf jeden Fall sehr stolz auf sein Klassenzimmer, das bezüglich Digitalisierung durchaus ein Update vertragen könnte – sogar seiner Meinung nach.
27. Oktober 2026
Bereichernde Begegnungen
Einer der schönsten Nebeneffekte dieses Bettwäsche-Abenteuers sind die zahlreichen wunderbaren Begegnungen.
Die Zusammenarbeit mit Habiba hat uns sehr viel näher gebracht, als wir wohl beide gedacht haben. Unterdessen sind berührende Gespräche auf Englisch, ein bisschen Suaheli und Google Translate möglich – und dann müssen wir auch richtig oft gemeinsam lachen. Da sind ihre vier Söhne Saidi, Hafis, Harun, Samir und ihr Mann Hashim. Die Familie umfasst zudem Humaria und Mariam, die beiden Töchter von Hashims Ex-Frau, sowie Amina, Habibas Nichte, und ihr zweijähriger Sohn Swaleh. Aminas Mutter Rahema durfte ich in Dar bereits kennenlernen.
Und da ist Ann, meine "Vemieterin", Supervisorin des Projekts, wertvolle Gesprächspartnerin und mittlerweile auch liebe Freundin, mit ihrem Mann Edi, der das allerbeste Frühstück der Welt aus der Gartenküche an den Strand zaubert und hervorragend kocht.
Auch die Streifzüge auf Stoffsuche in den Gassen von Stone Town und im Darajani Market schreiben schöne Geschichten: Ich treffe den indischen Stoffhändler Idris Gulamhusein, der sein kleines Geschäft mit seinem Vater betreibt, ausgezeichnet Englisch spricht und auch immer wieder gute Tipps auf Lager hat. Oder Faridha, die mit grossem Engagement nach den gewünschten drei gleichen Kangas sucht – und das für zehn verschiedene Ausführungen.
Hinzu kommen die zahlreichen spontanen Begegnungen auf der Strasse mit Rasta Man und Mister Cheaper und wie sie alle heissen – diese Begleitungen sind zwar meistens nicht sehr effizient, jedoch immer wieder äusserst bereichernd …
20. Oktober 2026
NAtafuta - ich suche ...
Es ist hier ja nun einmal nicht so, dass man einfach ins Geschäft reinmarschiert, aus hunderten Möglichkeiten auswählt und bei Bedarf nachbestellen kann, zur Kasse geht, (mit Karte) bezahlt, das alles quasi nebenbei erledigt oder vielleicht sogar im Internet bestellt und sich so den Gang ins Geschäft spart.
In Tansania bedeutet Einkaufen – vor allem, wenn es sich auserlesene Stoffe handelt –, sich (viel) Zeit nehmen, den lauten, belebten Markt nach kleinen Nischen zu durchsuchen, in versteckte Ecken und Hauseingänge zu blicken, denn gerade da sind oft die schönsten Schätze zu finden. Zudem steht an jeder dieser Ecken ein volle Aufmerksamkeit heischender Laden- oder Standbesitzer.
Eine Riesenfreude jedoch, wenn man endlich fündig wird! Und auch hier kann man aus hunderten von Möglichkeiten auswählen, man muss sich jedoch durch Berge von scheinbar ungeordneten Stoffen durchkämpfen – natafuta: ich suche... und bezahle – nach unterdessen einigermassen stilsicheren Preisverhandlungen – natürlich bar.
16. Oktober 2026
eine richtige Butterfly!
Heute haben wir eine neue Nähmaschine für Habiba gekauft: eine waschechte Butterfly mit Tretpedal und Nähtisch – wie es sich hier gehört. Die Maschine funktioniert rein mechanisch und hat den Vorteil, dass auch bei den häufigen Stromausfällen weitergearbeitet werden kann.
Garantie gibt's für eine Woche und der Transport nach Hause erfolgt mit einem Bajaj, einem Tuk Tuk. Es ist einmal mehr grandios, wie die Dinge hier irgendwie dann schon funktionieren.
Danke allen, die Geschichten wie diese möglich machen!
30. September 2026
Ann - der glücksfall
Sie kennt die Antworten auf (fast) alle Nähfragen, spricht fliessend in Suhaeli, Englisch und Schweizerdeutsch, ist interessiert an Mensch und Tier und selber eine wunderbare Person: Dass Ann ihr breitgefächertes und fundiertes Know-how ins Projekt einbringt, ist für KULALA ein absoluter Glücksfall.
Unser «Gotti» ist auf beiden Seiten der Insel zuhause und vermietet auch das Apartment in Stone Town (ja, das mit der Waschmaschine). Sie betrachtet das Projekt aus einer Supervisionswarte und lässt ihre Erfahrung aus 27 Jahren Sansibar einfliessen – das ist ein grandioses Geschenk und schlicht unbezahlbar.
27. September 2026
Textilien auf dem Prüfstein
Bevor die Stoffe zu Bettwäsche werden dürfen, drehen sie erst einmal einige Runden in der Waschmaschine: sie werden eingeweicht, gemessen, gewaschen, nochmals gemessen und darauf geprüft, ob sie Farbe verlieren. Das ist zwar aufwendig, aber besser jetzt eine Überraschung als später bei der fertigen Bettwäsche.
Ein paar Learnings gab's dann trotzdem. Zum Beispiel, dass auch Etiketten färben können. Und dass sich darum ein Blick in die Waschmaschine vor dem nächsten Waschgang durchaus lohnt ...
20. September 2026
Stoffe einkaufen - no worry!
In Dar es Salaam ist laut, staubig, voller Menschen – und faszinierend. Gemeinsam mit Habiba und ihrer Schwester Rahema machen wir uns auf die Suche nach Stoffen für die ersten KULALA-Sets.
Die Auswahl an Kitenges ist fantastisch. Bei den einfarbigen Stoffen wird es wie erwartet kniffliger: Afrikanische Baumwolle ist auch in Dar tatsächlich nirgends zu finden. Schliesslich entdecken wir wunderbare Baumwoll-Leinen-Stoffe in passenden Farben – aus Indien. Manchmal muss sich die Idee eben dem Stoff anpassen.
Auf die Frage, ob wir mit Karte zahlen können, heisst es (wie immer): «No worry!» Eine Stunde und mehrere Banken später ist endlich genügend Bargeld beisammen. «No worry» braucht oft Zeit und manchmal auch ein, zwei Extrarunden ...
Abendessen und Übernachtung bei Rahema in ihrem Dorf etwas ausserhalb von Dar sind für eine Schweizer Mzungu eine grossartige Erfahrung. Rahemas Gastfreundschaft berührt – und bereichert weit über die reine Stoffsuche hinaus.
17. September 2026
Echte Afrikanische Baumwolle ...
Afrika ist bekannt für Baumwolle. Da ist es ein Leichtes, für KULALA einfarbigen Baumwollstoff aus Tansania für die Rückseite der Bettwäsche zu finden – vielleicht sogar aus ökologischem Anbau. Dachten wir.
Wir suchten auf dem Darajani Market in Stone Town und schrieben etliche Firmen und Händler an. Nur wenige antworteten, und auf die Frage nach Herkunft und Herstellung blieb es oft vage. Auch in den Shops mussten wir genauer nachfragen – und die Antwort «Yes, pure cotton» war nicht im mindesten verlässlich. Man wollte schliesslich verkaufen.
Immerhin heisst Polyester auf Swahili ebenfalls Polyester. Im Zweifelsfall hilft ein Faden und ein Feuerzeug: Baumwolle verbrennt, Polyester schmilzt (und stinkt). Woher die Baumwolle stammt, verrät das leider immer noch nicht. Die Suche nach nachvollziehbarer afrikanischer Baumwolle bleibt spannend.
7. September 2026
KAnga oder Kitenge?
Ein schöner Stoff auf dem Markt macht noch lange keine schöne Bettwäsche. Zudem stellte sich die Frage: Verwenden wir Kanga oder Kitenge?
Kitenge ist ein kompakter und anfangs auch etwas steifer Baumwollstoff, der durch Waschen und Gebrauch aber weicher und geschmeidiger wird. Es gibt tausende Muster – die wirklich schönen wollen aber gefunden werden. Für die Winterlinie scheint dieser bedruckte Baumwollstoff ideal, bietet er doch Spielraum für grosse Flächen.
Kangas hingegen sind leichte Baumwolltücher mit einem typischen Rand und oft einem Spruch auf Swahili. Die Muster und auch die Haptik, weich und anschmiegsam, sind einfach toll! Nach verschiedenen Anläufen und etlichen Kilometern Fussweg finden sich dann auch grosse Kangas, die sich zur Verwendung für die Sommerlinie richtig gut eignen.
Und schon zu Beginn lernen wir: Gut Ding braucht hier noch mehr Weile als zuhause.
5. September 2026
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